lane-910610_1920Unsere Lage 2016

Wir brauchen eigentlich in unseren Kreisen nicht mehr darüber sprechen, wie viele Menschen gekommen sind und kommen können. Wenn ein saarländischer Innenminister namens Klaus Bouillon vor bürgerkriegsähnlichen Unruhen warnt und sich gleichzeitig „an die Nazi-Zeit erinnert“ fühlt, wenn er auf einen AfD-Politiker trifft, dann ist das Ausmaß an Verantwortungslosigkeit dieser etablierten Parteienkaste in ein Stadium gelangt, wo der „Graben“ nur noch schwer zu überwinden ist!

Ebendieser sagt uns eines nur zu deutlich: Der Austausch ist Realität! Unsere Kampagne gegen eine Politik, mit der europäische Stammbevölkerungen in ihren Ländern verdrängt und ausgetauscht werden, wurde inzwischen auch von Identitären aus Deutschland vielfach bekannt gemacht. Selbst das renommierte Debattenorgan The European (namentlich durch dessen Autor Adorján F. Kovács) kam Ende letzten Jahres nicht umhin darauf hinzuweisen, dass wir vor einer ungeahnten ethnokulturellen Zeitenwende stehen:

Von den 23 Millionen Einwohnern hierzulande, die zwischen 20 und 35 Jahren alt sind, hätten also in fünf Jahren rund 11,5 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. Das ist die Hälfte. Dabei ist die zumindest in der ersten Generation höhere Geburtenrate der Einwanderer noch nicht berücksichtigt. Man muss nur 30 Jahre weiterdenken, wenn die Mehrheit, also über 50 Prozent der jetzt in Deutschland Lebenden, und das sind ältere Menschen, gestorben sein wird, um sich die Zusammensetzung der bundesdeutschen Bevölkerung in der Zukunft vorzustellen. Es gibt einige Unsicherheiten bei dieser Hochrechnung, nämlich die Höhe der Einwanderung, der Bleiberechtvergabe und des Familiennachzugs in den nächsten Jahren. Trotzdem ist sie sehr wahrscheinlich.“ 

Nun reicht es hier und heute nicht dies erneut festzustellen und zu beklagen, wir sollten einen Schritt weiter denken. Deshalb will ich an dieser Stelle versuchen einen Blick auf den etablierten Diskurs zu werfen. Dabei beginne ich mit einer philosophischen Wertung unserer Gesellschaft. Götz Kubitschek verwies kürzlich auf den AfD-Philosophen Marc Jongen. Der Schüler von Peter Sloterdijk sieht ein zentrales Problem: Wir leiden an einer sog. „Thymos Unterversorgung“! Was heißt Thymos? Dieser philosophische Begriff steht im Kontext zu den Begriffen „Eros“ und „Logos“, die zusammen das menschliche Wesen beschreiben. Während letztere für die Lust und die Vernunft stehen, muss „Thymos“ als der Zorn, die Wut oder auch Empörung verstanden werden.

Was heißt das für uns? Wieder mal öfter beim Bier sich aufregen? Die Aggressionen gegenüber der Entwicklung beim Fußball austoben lassen oder doch besoffen morgens um Sieben noch eine Flasche Korn an der Tanke kaufen, damit die Realität sich entfernt? Natürlich nicht. Die Antwort darauf kann nichts anderes heißen als die Politisierung des Seins. Sie bedeutet die schmittsche Formel von „Freund und Feind“ ständig und immer wieder auf unsere Lage anzuwenden!

Feind ist demnach nicht der Türke im ostdeutschen Boxverein, der sich vor den Nazi-Hools real oder irreal fürchtet. Feind ist auch nicht das liebe Mädchen in der Mensa, die einen „Refugees Welcome“ Pullover trägt, aber eigentlich aus einem Elternhaus stammt, wo Links geredet und Rechts gelebt wird. Der Feind ist auch nicht der Islam als weit verbreitete Religion auf der Welt. Der Feind ist viel mehr situativ und ideologisch zugleich. Er tritt dann situativ zutage, wenn wir an der Metrostation stehen und beobachten dürfen, wie ein verirrtes Mädchen von verachtenswerten und verlorenen Gestalten entehrt und im Zweifel vergewaltigt wird. Er ist aber auch darin – diesmal ideologisch – zu sehen, dass es einen individualistischen Liberalismus gibt, der sich dem „Wesen kollektiver Identitäten“ (Chantal Mouffe) verschließt. Diese beiden Feinde unseres Wollens gehören zwingend zur Analyse dieser Zeit hinzu, jedoch sollten wir sie unterscheiden als ein physisches und ein geistiges Hindernis auf dem Weg in die Zukunft. Unser Zorn muss gesteigert werden, er muss sich festbeißen!

Haben wir dabei Schützenhilfe? Die Frage nach bürgerlicher Unterstützung und nach der Wirkung in die Gesellschaft hinein ist kaum in knapper Zeit zu beantworten. Doch will ich ein paar streitbare Beispiele nennen, die uns Hoffnung geben sollten, dass unsere Taten einen fruchtbaren, einen intellektuellen und renommierten Boden haben. Immerhin ließ sich die Zeit unlängst dazu hinreißen sog. neu-rechte Intellektuelle aus dem Mainstream wie folgt zu kommentieren: „Sie verraten sich selbst.“ Man sollte eher sagen: Sie verraten die linksliberale Blindheit!

Folgende Beispiele sind daher in meinen Augen ein Anzeichen für ein schockbedingtes Realitätsleuchten.

  1. Der bekannte Staatsrechtler Karl-Albrecht Schachtschneider hat eine Verfassungsklage geschrieben, in der er unterstützt vom patriotischen „Greenpeace“, dem Netzwerk „Einprozent“ die Identitätsfrage unseres Landes stellt.

  2. Die beiden ehemaligen Richter am Bundesverfassungsgericht Hans Jürgen Papier und Udo Di Fabio stellen sich offen gegen die Regierung, der sie einen Verlust von Rechtsstaatlichkeit vorwerfen und was zugleich demokratische Destabilisierung bedeute.

  3. Der Markt-liberale Ökonom Hans-Werner Sinn bestätigt die Entwicklung hin zu einem Austausch, er sieht aufziehende Konflikte für die Sozialsysteme und hält auch die Grenzverteidigung als verfassungsgeboten.

  4. Und kürzlich hat sich auch Peter Sloterdijk überraschend deutlich geäußert. Im Magazin Cicero fand er unerwartet starke Worte zur Politik der Regierung: „Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben. […] Die Europäer werden früher oder später eine effiziente gemeinsame Grenzpolitik entwickeln. Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“ 

Provokation in Tradition einer subversiven Aktion der 68er?

Durch das bis hierhin Vorgetragene soll folgendes deutlich geworden sein. Es ist Zeit für die zornerfüllte Tat, die sich der Lage bewusst ist. Mit intellektueller Schützenhilfe und einer sauberen Analyse über die jeweiligen Momente unseres politischen Handelns müssen wir in die Provokation übergehen.

Ein älterer Protagonist theoretisch fundierter Subversionen aus den 60erJahren ist Bernd Rabehl. Er schreibt uns ins aktivistische Stammbuch:

>> Provokation holt hervor, was im Verborgenen bleiben soll. Die inszenierte Politik heute verdeckt vielerlei. Vor allem der Dilettantismus der Mächtigen und ihre Duckmäuserei, die zum Maßstab der zeitgenössischen politischen „Moral“ geworden sind, müssen sichtbar gemacht werden. […] An den Reaktionen auf die Provokation sollte sich zeigen, was deren wirklichen Absichten waren und wer hinter ihnen stand […]. Dann würden sich die Phrasen als solche entlarven. Solche Aktionen sind heute wieder nötig, vielleicht mehr noch, als damals. <<

Was sind Beispiele für gelungene Aktionen? Wer die vielfältigen Aktionen der Identitären aus Österreich und Deutschland gesehen hat, bekommt eine Vorahnung von subversiven Auftreten. Manche davon waren medial erfolgreich, andere hatten eher eine Binnenwirkung. Allgemein müssen wir wie Felix Menzel neulich schrieb an der „Diskurshoheit von unten“ arbeiten. Auf eine Formel gebracht könnte dies heißen:

Spontanes, kreatives Auftreten, das kompetent vor- und in den sozialen Medien mit einem starken Narrativ aufbereitet wird.

Zugegeben: Unsere Medien sind ein nervenraubender und anstrengender Wegbegleiter in diesen Zeiten. Nicht nur das hier die pure Masse an Information und Quellen unter dem Eindruck ständigen Online-Seins und beschleunigter Prozesse auf der Welt, in eine neue Phase der Stressverarbeitung getreten ist, nein, auch die ideologische und skandalisierende Aufladung der Inhalte bringt den Konsumenten von Nachrichten in eine schwierige Lage.

Doch der Gedanke der Metapolitik heißt heute, sich mit der Kommunikation im Allgemeinen und mit den heutigen Medien konkret auseinanderzusetzen. Wir müssen die sozialen Medien nutzen. Bildet Blogs, nutzt Facebook, Youtube und Instagram, dokumentiert euren identitären Alltag, zeigt, dass ihr lebt, wenn ihr Sport macht, in der Natur seid, deutsche und europäische Kultur atmet oder bei einer Aktion der Identitären Bewegung teilnehmen konntet. Versucht es in der richtigen Ästhetik einzufangen, bildet die Gegenkultur zum langweiligen und vor allem ausgelutschten linken „lifestyle“, der kaum noch Männlichkeit, keine echten Kontroversen, selten Schönheit und fast immer triefenden Moralismus kennt. „Heute steht der Spießer links“, heute sind wir die Jugend, die etwas wagt, die das Etablierte angreift, weil es sich so sehr auf einem Weg in die dunkle Nacht Europas bewegt.

Metapolitik („das jenseits des Politischen Seiende“ – Thor von Waldstein) heißt also konkret das mediale Schlachtfeld durch eigene Produktion zu bedienen, eine konträre, aber ebenso angesagte Kultur zu stärken. Darüber hinaus bedeutet Metapolitik aber auch, die derzeitige politische Debatte, dabei vor allem den Diskurs der etablierten Medien zu verfolgen..

Es ist wichtig den etablierten Diskurs zu verfolgen, ihn zu sezieren. Denn er ist wie ein Seismograph für die Stimmung im Land. Das Lesen von Zeitungen, die Schau der tendenziösen Polittalkshows und öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen zeigt uns, wo wir stehen, und ob Teile der Elite aus dem Konsens ausbrechen. Denn wir müssen kompetent sein, wenn wir Vertrauen aufbauen wollen. Und wir müssen Anknüpfungspunkte bilden in diese Gesellschaft hinein. Das heißt selbstverständlich nicht, dass wir gut überlegte Inhalte und eine Sicht auf den Menschen aufgeben, die fundamental für eine Veränderung sind. Es heißt schlicht eine „echte Wende“ (Marin Sellner) denkbar und beobachtbar werden zu lassen.

Provokation nach Kubitschek

Dieser Vortrag endet mit einem Zitat des Publizisten Götz Kubitschek. Er schrieb vor wenigen Jahren ein Büchlein, das sich der Provokation widmete. Im Hintergrund läuft dabei ein Film aus Frankreich, der identitäre Aktivisten bei der Tat zeigt. Sie wollen Emotion schaffen. Die Bilder erreichen dies meines Erachtens gut. Dies könnte ein Bezugspunkt sein, wo wir dieses Jahr hinwollen: Professionalisierung und Emotionalisierung unserer provokanten Taten.

Wer dies bis hierhin gelesen hat. Diese Worte und Gedanken, also die Aufnahme der nötigen Provokation als richtig und nötig empfindet, der darf nicht vergessen, dass bei uns zu sitzen nur ein erster Schritt ist. Die Notwendigkeit zur Tat ist sicher unbestritten. Woran es fehlt ist eher der richtige Mut und die Selbsterkenntnis, zu was jeder Einzelne mit seiner Persönlichkeit und vor allem wir als Gruppe in der Lage sind. Lasst uns gemeinsam eine politische Bewegung sein, die sich der Worte Heimat, Freiheit und Tradition wieder bewusst geworden ist. Lasst uns angreifen und mit provokanten, aber überlegten Aktionen an unser aller Zukunft bauen.

Oder anders auch mit Kubitschek formuliert: Die Identitäre Bewegung ist eine Vereinigung meist junger Aktivisten mit vielen Unterstützern. „Unser Ziel ist keine Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform. Wir wollen nicht mitreden, sondern eine andere Sprache. Wir wollen kein Stehplatz im Salon, sondern das Ende der Party! […]

Die Kunst sagt, Benn bezeugt, daß es den Moment der Willens-Verdichtung gibt. So sieht er aus: Werde Dir bewußt darüber, in welchem Sumpf du waten mußt. Straffe Dich und strecke Dich. Bilde – für den Moment, für den Tag, für eine Spanne – den Grund, auf dem man in all dem Sumpf, der uns umgibt, festen Stand gewinnen kann. Sei eine Widerstandsinsel, richte Dich auf, werde zum Zeiger, zum Wegweiser für diejenigen, die etwas vom Anders-Sein ahnen.

Wage den Sprung!“ (Zitat aus: Götz Kubitschek: Provokation, Schnellroda 2007)