chainlink-690503_1920Auch im Jahr 2016 bleibt die Lage unseres Volkes angespannt. Dies ist für den kritischen und analytisch geschulten politischen Beobachter gewiss keine neue Erkenntnis, doch die schrittweisen Veränderungen, Einschläge und Eruptionen im gesellschaftlichen Diskurs erfordern immer wieder aufs Neue eine Standortbestimmung und die Herausbildung gewisser Sensoren um zu erkennen, wo die eigenen politischen Aktivitätshebel ansetzen müssen.

Von einer Angespanntheit der Lage zu sprechen ist vielleicht nicht einmal die präziseste Umschreibung. Der aktuelle Diskurs zwischen den Meinungsführern auf der Seite der Multikultis und den Agitatoren des Großen Austausches, sowie der stetig anwachsenden kritischen Masse, mobilisiert aus einer in weiten Teilen vormals apolitischen Schicht, hinterlässt einen immer größer werdenden Graben, dessen Riss wohl kaum kompensiert werden könnte und entsprechende Brücken nicht absehbar sind. Dies ist jedoch weniger zu bedauern, als ausdrücklich zu begrüßen, denn der Bogen aus Arroganz und Überheblichkeit wurde eindeutig auf Seiten der Meinungsführer des Establishments überspannt. Der politischen Elite kommt auch immer die Aufgabe zu, einen diplomatischen und vermittelnden Ansatz in ihrer Kommunikation gegenüber dem Volk anzulegen. Dazu sind sie jedoch nicht erst seit gestern nicht willens und nicht fähig. Nur scheint es, dass in diesem Moment dies auch eine kritische Masse wahrnimmt, die für ihre Anti-Establishment Haltung durchaus plausible Gründe hat.

Die aktuelle Asylkrise tritt die Tür ein, hinter der in den letzten Jahren die politische Klasse den Großen Austausch nur in homöopathischen Dosen betrieben hat. Es zeigt sich schrittweise, dass die schiere Masse durchaus den Lebensalltag der Menschen beeinflusst und auf Seiten der Flüchtlinge eben nicht ausschließlich Leute in der Absicht kommen, dieses triste Dunkeldeutschland etwas bunter und heller zu machen. Das partzipative Defizit wird vor allem dann deutlich, wenn dem Bürger suggeriert wird, dass diese Entwicklung quasi naturgesetzlich wäre und alle Alternativansätze lediglich „einfache Antworten auf komplexe Themen“ geben würden. Der komplexen Analyse und den daraus folgenden Antworten bleiben aber auch die Politiker schuldig. Die große komplexe Lösung auf die schwierigen Fragestellungen bleibt dann das Zauberwort „Integration“ der hier Ankommenden.

Quantitative und qualitative Grenzen dieser Integration gibt es – wie selbstverständlich – keine. Die Einwanderer reisen nur in positiver Absicht nach Europa ein, um dann mittels ein paar Infobroschüren und dem Grundgesetz to go zu wahrhaften bundesdeutschen Staatsbürgern zu werden, die nichts anderes wollen, als den heimischen Garten zu pflegen, geregelter Beschäftigung nachzugehen und dann eben durch ihre schlichte Anwesenheit der angeblich bunte Farbklecks zu sein, der dieses „hässliche Dunkeldeutschland“ zur weltoffenen und kosmopolitischen Gesellschaft umdekoriert. Die jahrelange Sozialisierung in patriachalen Kulturräumen und eines umfassenden islamischen Lebensumfeldes wird innerhalb einiger weniger sozial- und integrationspolitischer Handgriffe komplett auf den neuen Musterdeutschen umformatiert.

Normalerweise sollte es eine Binsensweisheit sein, dass Integration – oder präziser ausgedrückt- Assimilation, nur unter den Rahmenbedingungen funktionieren, dass auch entsprechende Anreizstrukturen vorhanden sind, um dies zu bewerkstelligen. Durch den unaufhörlichen Zustrom an Menschen aus fremden kulturellen Zusammenhängen in bereits bestehende Paralellgesellschaften wird sich der Integrationseffekt nicht einstellen. Eher werden sich die tribalistischen Muster der Eingewanderten potenzieren und zu expansiven kulturellen Dominanzbestrebungen führen, die dann auf den allgemeinen öffentlichen Raum zugreifen. Dass diese kulturelle Machtdemonstration eben keine spekulative These ist, dürften spätestens die Ereignisse in der Silvesternacht von Köln bestätigt haben. Ferner brauchen wir nur in die europäischen Großstädte schauen, wo der Staat und die letzte heute noch verbliebende Schwundstufe einer abendländischen Wertegemeinschaft zugunsten islamischer Einwanderer verdrängt werden.

Spätestens seit der integrationspolitischen Bestandsaufnahme durch den früheren Bundesbanker und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ oder durch die praktischen Erfahrungswerte des früheren Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky sollte klar geworden sein, dass alle bisherigen Integrationskonzepte weitgehend gescheitert sind und der gesamte gesellschaftliche Komplex weitaus mehr Variablen und Grundvoraussetzungen enthält, die aber von den politischen und gesellschaftlichen Entscheidern nach wie vor ignoriert werden. Stattdessen wird zum Multikulti-Endkampf mobilisiert. Integration wird zur fundamentalen Staatsdoktrin, die durch die neue Staatsbürgerpflicht der Willkommenskultur sekundiert wird.

Der Diskurs verkommt somit zu einer simulativen Show und geht über die Frage nach Aufnahmebereitschaft und -Kapazität sowie kulturellen Assimilationskräften – die unweigerlich auch den quantitativen Faktor berücksichtigen müssen – hinweg. Dem Volk wird ein geheucheltes Verständnis vorgespielt, dass diese Entwicklung durchaus Sorgen, Ängste und Skepsis rechtfertige. Im gleichen Atemzug soll jedoch der Abenteuerinstinkt geweckt werden, indem die Invasion als große Herausforderung dargestellt wird. Anschließend rotiert wieder die Phrasenmaschine und produziert die klassischen Sprechblasen über Buntheit, Vielfalt und variert zwischen der historischen und globalen Verantwortungsrolle, die Deutschland einnehme. Für die Position der humanitaristischen Weltretternation besitzen die Politiker jedoch faktisch kein Mandat. Im neu erschienen Buch aus dem Arktos Verlag „Die Rückkehr der echten Rechten“ bringt es der Autor Daniel Friberg treffend auf den Punkt

„Ein Politiker, der von der undeutlichen Vorstellung getrieben wird, daß seine hauptsächliche Loyalität einer abstrakten „Menschheit“ oder „Welt“ anstatt dem tatsächlich regierten Volk gelten sollte, kann niemals als politischer Führer oder auch nur als legitimer demokratischer Vertreter geduldet werden.“

Dass das aktuelle politische Handeln nicht nur demokratisch defizitär ist, sondern auch widerrechtlich gegenüber dem Grundgesetz, braucht an dieser Stelle nicht zusätzlich erwähnt werden und kann mit dem Verweis auf die aktuelle Verfassungsklage des Staatsrechtlers Karl Albrecht Schachtschneider, dem juristischen Gutachten vom Rechtsanwalt Thor von Waldstein, oder dem eher politisch neutralen und ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio an dieser Stelle so stehen bleiben.

Es wird sich zeigen wie weit der Riss zwischen realer Wahrnehmung des demokratischen Souveräns und den ideologischen Wunschträumen des linksliberalen Establishments gehen wird. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Integrationsdebatten angesichts des Ausmaßes der Lage vollkommen hinfällig geworden sind. Für eine fruchtbare Debattenkultur müssen die richtigen Fragen gestellt werden, woraus schließlich adäquate Antworten resultieren. Wir sind inzwischen an den Punkt gekommen, an dem es selbst über die Art und Weise der Fragestellungen keinen Konsens mehr geben kann. Knapp 60 Jahre gescheiterte Integrationspolitik, türkisch-arabische Ghettos und Parallelgesellschaften, tägliche Übergriffe auf Einheimische, das sukzessive Verschwinden der autochthonen europäischen Bevölkerung, die nun rasant fortschreitende Islamisierung, kurzum „Der große Austausch“ lassen die Debatte über Integration schlicht und ergreifend zu einer Farce verkommen.

Doch die Lufthoheit des Establishments über die öffentliche Themensetzung scheint zunehmend zu schwinden. Die Überfremdung wird nicht mehr als nur abstrakte Entwicklung wahrgenommen. Und das Grundvertrauen in die politischen Führungsregie scheint bei Vielen ohnehin irreversibel zerstört zu sein. Wie eingangs bereits erwähnt, kann es offenbar keinen adäquaten Diskurs in der Asylkrise mehr geben. Eine Diskussion ist immer nur bis zu dem Grad möglich, an dem beide Teilnehmer zwar unterschiedlicher Meinung sind, aber grundlegende Axiome, Realitäten, Fakten und Sachverhalte anerkannt werden („agree to disagree“). Zusammengefasst gibt es leider keine gemeinsamen Verständnisebenen mehr, keine geteilten Wahrnehmungshorizonte. Wer von Integration plappert und dabei im ersten Schritt den allmählichen aber nichtsdestoweniger faktischen Austausch einer ganzen Völkerfamilie nicht sehen will, ist mindestens naiv. Wer jedoch- wie von linker Seite häufig vorgetragen – darüberhinaus auch noch lebensreale, menschliche Konstanten wie die ethnische Herkunft, kulturelle Tradierung, geschichtliche Narrative, religiöse Sozialisation, sprachliche Identifikation und die Einbettung in konkrete soziale Räume als konstruiert und austauschbar hält, ist faktisch ein Lügner, gefangen in einer sich stetig rotierenden- ideologischen Wahnwelt. Eine Wahnwelt, deren Versuch der Aufrechterhaltung einen ganzen Kontinent aufs Spiel setzt.