anatomy-71730_1280„Refugees Welcome“, eine Parole die früher eher dem linken Szenejargon zu entnehmen war, wird nun zur kollektiven Agenda der bürgerlichen Zivilgesellschaft. In einem totalitär anmutenden Propagandafeuerwerk werden wir tagtäglich mit der Flüchtlingskrise konfrontiert, die inzwischen ein Ausmaß genommen hat, bei dem auch der staatlich-administrative Komplex an seine Belastungsgrenzen kommt, der aber paradoxerweise diesen Massenwahn noch unterstützt.

Überall an deutschen Bahnhöfen finden sich sogenannte „Flüchtlingshelfer“, die mittels selbstgebastelter Schilder und Versorgungspaketen die Flüchtlinge begrüßen. Würde man nicht sofort wissen, wofür die Leute an den Gleisen stehen, könnte man meinen, dass hier die Helden von einem großen Sportereignis zurückkehren oder sie einen neuen Messias begrüßen. Letzteres ist gar nicht einmal so abwegig, denn der Flüchtling erfährt in diesen Tagen absurde Überbewertungen, die ein neues säkulares Heiligensymbol in ihn hinein interpretieren.

Im paralysierten Zustand stimmt das Volk in die kollektiven Freudeshymnen ein und inszeniert dabei eine vermeintlich ganz neue Qualität der Moral, die jeden noch so einfach gestrickten Flüchtlingsbefürworter auf die Seite der „Guten“ manövriert. Es braucht also einmal mehr nicht viel Reflexion und Verstandesgebrauch, um bei den „Guten“ zu sein. Das fehlerfreie Rezitieren einschlägiger Phrasen und Satzbausteine von „Menschlichkeit, Menschenrechten, Willkommenskultur, Humanität und Buntheit“ ist eine sichere Garantie zur Anerkennung und Integration in die bunte und tolerante Zivilgesellschaft. Aus dem Unvermögen ein eigenes kultur- und sinnstiftendes Geflecht, unter einer souveränen und authentischen Bejahung der eigenen Identität zu etablieren und fortzusetzen, findet nun der Endkampf gegen die natürliche Präferenz des Eigenen statt, die den Weg zur globalen Einheitsgesellschaft bereitet.

Dieser Zustand ist selbstverständlich seit längerem bekannt, hat aber dennoch in letzter Zeit eine derart simplifizierende und infantile Ebene erreicht, die definitiv an Kleinkindniveau erinnert. Beispielhaft dafür ist die Aussage des Vizekanzlers Sigmar Gabriel der in einer Bundespressekonferenz zur aktuellen Flüchtlingsproblematik verlautbaren ließ, dass wir Deutschen auch „lernen müssen mit anderen unseren Wohlstand zu teilen“. Volkspädagogik die sich nicht einmal bemüht, wenigstens den subkutanen Schein zu wahren und Binsenweisheiten, die ein jeder bereits im Kindergartenalter vermittelt bekommen hat. Der hypermoralische Infantilismus erweist sich für die herrschenden immer stärker als adäquates Propagandainstrument, mittels dessen rationales und langfristiges politisches Denken deaktiviert wird. In keinem anderen Thema als in der Flüchtlingsdebatte lässt sich derzeit effektiver die traditionelle Freund-Feindbestimmung vornehmen, um den eigenen Hegemonialstatus zu legitimieren. Der angebliche Hass gegen die Menschlichkeit, Bunt gegen Braun, Rassismus gegen Hilfsbereitschaft und Dunkeldeutschland gegen Helldeutschland. Diskursive Zonen, die außerhalb der Schwarz-Weiß-Schemata stehen werden gänzlich ignoriert. Verweise auf die Folgen für die autochthone Bevölkerung und den demokratischen Souverän geraten schnell unter Rassismusverdacht, da diese keine uneingeschränkte Solidarität gegenüber den Flüchtlingen vermitteln, die aber in dem totalitären Denken eingefordert werden muss.

Neben der moralischen Konstituierung der „guten Seite“ läuft parallel dazu natürlich auch die klare Feindbestimmung, woran sich das gute, erhabene Gefühl immer wieder bestätigen und selbst legitimieren darf. Dabei scheint sich mit wachsenden Popularitätsgrad der sozialen Netzwerke, eine vollkommen neue Gattung neben den konventionellen „Standardrassisten, Nazis und Fremdenhassern entwickeln, die zuvor bereits aktiv auf der Straße unterwegs waren. Der „Facebookhetzer“ ist inzwischen zum neuen Feindbild avanciert und zeichnet sich vor allem zumeist durch geschmacklose, anonyme Kommentare innerhalb der sozialen Netzwerke aus. Gewiss sind hierbei einige differenzierende Kriterien anzulegen, was nun schon als „Hetze“ oder „Hass“ einzustufen ist und was nicht. In der medialen Darstellung wird sich dann jedoch zumeist an den wirklich pietätslosen, dummen und rassistischen Kommentaren abgearbeitet, die von einem vertretbaren, sachlichen Diskursrahmen deutlich abweichen. Dass es aber auch differenzierte Auseinandersetzungen und ernsthafte Sorgen in der Flüchtlingsproblematik gibt, wird bewusst nicht wahrgenommen. Lieber wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wonach die erhabene Position in einen absoluten Rausch zur arroganten Oberlehrerhaftigkeit gesteigert wird. Der Einfachheit halber werden alle weiteren Kritiker innerhalb dieser Debatte einfach in die Kollektivhaftung genommen, bzw. mindestens in eine mittelbare Verantwortung. „Geistige Brandstifter“ ist zu einer beliebten Begrifflichkeit geworden, die die Verbindungslinie von der objektiven Asylkritik zu Gewalttaten gegen Flüchtlinge herstellt. In mühseliger Arbeit werden Aussagen von AfD-Funktionären, PEGIDA-Leuten und Vertretern der Neuen Rechten auf einen oberflächlichen und simplen Aussagekern reduziert und damit die vermeintlich wahre Intention dechiffriert. Eine ganze Armee von argumentativen Strohmännern wird aufgefahren. Schon defensive Zuschreibungen von „besorgten Bürgern“ bis zu „Ich bin ja kein Nazi aber – Sagern“ die sich sehr wohl über die engen Meinungskorridore in dieser Republik bewusst sind und auch wissen, dass ihre Aussagen als eher nonkonform aufgenommen werden, stehen mindestens im Verdacht rechtsradikale Hetze zu bedienen.

Ihre vorsichtigen Annährungen der Diskurserweiterung nützen aber nichts, da die Tugendwächter auch hier bereits den strukturellen Rassismus schnuppern. Eine Meinungspluralität die sich sogar schon im vorauseilenden Gehorsam von allen negativen Attributen des linksliberalen Mainstream distanziert und dennoch isoliert wird. Undenkbar dass es vielleicht doch Leute geben könnte, die sich ernsthaft Gedanken und Sorgen machen, ob dieser anhaltende Zustrom von Immigranten nicht doch eine soziale und integrative Belastungsgrenze haben könnte, die inzwischen überschritten wurde. Allein schon der passive Zweifel und der unbehagliche Blick in die Zukunft dieses Landes, wird von den politischen und medialen Eliten zum Ressentiment hochstilisiert. Der Bundesjustizminister Heiko Maas inszeniert sich hierbei an vorderster Front gegen den „Facebookmob“ und will nun mit zum linksextremistischen Dunstkreis gehörigen Gruppierungen wie der Amadeu-Antonio-Stiftung „Taskforces“ bilden, die möglichst effektiv und schnell solche „Hetzkommentare“ melden und diese gegebenfalls auch zur Anzeige bringen sollen. Nach welchen Kriterien ein Kommentar oder Posting schon als „Hetze“ einzustufen ist, blieb jedoch bisher offen. Ganz nach nordkoreanischem Duktus wird jede öffentliche Plattform, auf der sich nonkonforme Positionen noch ungefiltert platzieren lassen, ins Visier genommen, um auch über die virtuellen Räume ideologische Dominanz auszuüben.

Die moralische Frontstellung wird schließlich durch ein neues Gefühl der „Volksgemeinschaft“ flankiert. Ganz Deutschland befindet sich nach offiziellen, medialen Darstellungen in einem Rausch der Hilfsbereitschaft für die ankommenden Flüchtlinge. An sämtlichen Bahnhöfen werden zivile Versorgungsstellen eingerichtet, die die Flüchtlinge willkommen heißen. Die sogenannte „Willkommenskultur“ ist neben der „bunten Gesellschaft“ der Identifikationskern, der den nationalstaatlichen und ethnokulturellen Imperativ nun in die kosmopolitische „Weltgesellschaft“ transformiert, deren Bezugspunkte zur eigenen Herkunft lediglich ein globales Narrativ umschließen. Der Cicero-Autor Alexander Kissler hat jedoch in einem lesenswerten Beitrag, den Begriff „Willkommenskultur“ einer kritischen etymologischen Betrachtung unterzogen und dabei einen Widerspruch herausgestellt. Danach bezeichnet das „Willkommen sein“ immer nur ein temporäres Ereignis, dass lediglich den Akt der Begrüßung von Gästen umfasst. Kultur hingegen ist ein langfristiges Fundament, welches durch genealogische Verbindungslinien und tradierte Rituale konstituiert wird. Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass der britische Politologe Anthony Glees die Deutschen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk als einen „Hippie-Staat“ bezeichnete, der derzeit nur von irrationalen Motiven gekennzeichnet sei. Zahlreiche weitere Stimmen aus dem europäischen Ausland bekräftigen diesen Eindruck. Während in den osteuropäischen Ländern, die nationale Identität eine Renaissance erlebt, ist Deutschland im Endstadium angekommen, in dem diese endgültig aufgelöst wird. Der senile Bundespräsident Joachim Gauck sprach davon, dass die Idee einer homogenen Nation der Vergangenheit angehöre und dieses Konzept aufgrund der Einwanderungsrealitäten einer grundlegenden Neudefinierung bedürfe.

Doch die mahnenden Stimmen aus dem Ausland können dem medialen und politischen Meinungskonsens hier nichts anhaben. Die Kritik am Verstandesverlust der Deutschen wird einfach mit der Aussage „Wenn wir unseren Verstand verloren haben, so haben wir aber wenigstens unser Herz behalten“ relativiert. Der Große Austausch, der nun konkrete Gestalt annimmt, wird zu einem großen, infantilen Abenteuer. Spontan organisieren sich Autokorsos in Richtung der osteuropäischen Staaten, die die Arbeit von Schleppern übernehmen. Gewiss ist man sich der Illegalität dieses Vorhabens bewusst, doch gleichzeitig ist damit auch immer ein gewisser Reiz der Gesetzesübertretung verbunden. Die ganze Situation hat etwas Spannendes, wenn die Menschenmassen von außen zu uns strömen. Aus dieser Spannungssituation lassen sich permanent neue Kräfte mobilisieren, die sich bis zur totalen Erschöpfung als Flüchtlingshelfer rekrutieren lassen. Die Katastrophe wird zum herausfordernden und dennoch unterhaltsamen Massenevent. Auf dem Blog der Sezession bezeichnete Martin Lichtmesz diese Haltung als „pathologischen Altruismus“. Doch diese temporäre Humanitätsbesoffenheit wird in naher Zukunft mit Widrigkeiten verbunden sein, die nicht nur die Herausforderung der primären Versorgung der Flüchtlinge mit sich bringt. Die Massen die zu uns ins Land strömen, werden sich dauerhaft nicht mit beengten Notfallunterkünften, in denen sie nur mit dem nötigsten versorgt werden, zufrieden geben. Niemand kann leugnen, dass die derzeitigen Dimensionen keine einschneidenden Probleme für die staatliche Stabilität und die ethnokulturelle Substanz zur Folge haben werden.

Der Völkermordforscher und Soziologe Gunnar Heinsohn hat in einem kürzlichen Radiointerview, die Situation eindrucksvoll beschrieben. Europa müsse demnach der Tatsache ins Auge blicken, dass die derzeitigen Flüchtlingsströme noch lange nicht die quantitative Dimension erreicht haben, die für die kommenden Jahrzehnte prognostiziert wird. Die demographischen Verhältnisse in Afrika und Asien, verbunden mit politisch und ökonomisch instabilen Regionen, werden unweigerlich einen Migrationsdruck von bis zu einer Milliarde Menschen nach Europa locken. Für Heinsohn kommen hierbei nur die beiden Optionen in Frage:„brasilianische Verhältnisse“ oder Grenzsicherung mit allen verfügbaren polizeilichen und militärischen Mitteln. Mit bunten Luftballons, multikulturellen Kochabenden und Festen wird man solche Massen wohl kaum in Europa integrieren können. Schon die jetzigen Einwanderungsströme lassen ernsthafte Fragen nach langfristigen Arbeitsperspektiven und sozialer Integration aufkommen, die zunächst einmal nur die Stabilität der staatlichen Funktionalität betreffen.

Dass diese Integrations- und Assimilationskräfte inzwischen weit überstrapaziert sind, fällt den politischen Funktionseliten und ihren assistierenden linken Bessermenschen nicht ein. Es ist ganz einfach mit dem beliebten Sprichwort „Von morgens bis mittags denken“ erklärbar. Nun hat sich die Bundesregierung zwar dazu durchringen können, an den südlichen Grenzen der Bundesrepublik vorübergehende Grenzkontrollen durchzuführen. Dies lässt jedoch den Verdacht aufkommen, dass es sich hierbei um ein rein symbolpolitisches Manöver handelt, denn die Grenzkontrollen versuchen dem Massenexodus lediglich eine bürokratische Gestalt zu geben, da sie einzig zur Registrierung – und nicht etwa zur Abwehr der hereinströmenden Massen gedacht sind.

Was tun?

Nie war die Lage ernster, hoffnungsloser und aussichtsloser als heute. Deutschland und Europa befinden sich in der größten Existenzkrise ihrer Geschichte. Es gibt keine vergleichbaren historischen Analogien zu dieser Entwicklung, die derzeit mit voller Wucht auf uns niedergeht. Gleichzeitig sind die patriotischen und identitären Widerstandsmöglichkeiten nie so vielfältig in ihren Möglichkeiten des Engagements gewesen. Das Unbehagen und die Widerstandsbereitschaft sind evident. Die politisch effektive Kanalisierung dessen wird zur unermüdlichen Aufgabe aller patriotischen Kräfte, die sich bereits in der Phalanx befinden. Statt in Defätismus zu verfallen und Aussteigerplanspiele durchzugehen, sollte vielmehr eine „amor fati“ Haltung angenommen werden, wo wir nicht vor dem Tornado der über unser Volk hinweg zieht flüchten, sondern mit einem Lächeln auf ihn zulaufen und uns mitten ins Zentrum schmeißen, um damit den letzten Lebensimpuls unserer Identität zu wecken.