11759684_1459196501070060_1220973898_n„Es geht jetzt nicht mehr um den Führer, nicht um das Vaterland, nicht um meine Frau und meine vier Kinder; sondern es geht jetzt um das ganze deutsche Volk.“ Claus von Stauffenberg, Ende Juni 1944

Zum 71. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler sollen hier einige Gedanken über eine historische Figur ausgebreitet werden, die innerhalb unserer Reihen lange nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum Gedenken wird nun ein Plädoyer dafür folgen, sich seinen freien und aufrechten Geist, seinen Tatwillen und seine Liebe zum Eigenen sowie den Mut, dieses zu verteidigen, zum Vorbild zu nehmen. Ein Unterfangen, das sicherlich nicht von allen Lesern mit Begeisterung aufgenommen werden wird. Sei’s drum: Mit leichterem Gepäck lässt’s sich besser reisen – zumal auf den Schultern von Riesen.

Wohl kaum jemand kannte Leben, Tat und Antrieb des deutschen Widerstandskämpfers so gut, wie Wolfgang Venohr. Dieser schrieb in der Einleitung zu seinem Buch Stauffenberg – Eine politische Biographie zu dem er über 30 Jahre lang recherchierte:

„Es ist klar, welches geschmacklose Spiel von der Nachwelt in beiden deutschen Teilstaaten mit dem toten Stauffenberg getrieben wurde und wird. Man versucht von allen Seiten und mit allen Mitteln, die Ideologien des Kalten Krieges – West gegen Ost, Demokratie contra Sozialismus – nachträglich in Stauffenbergs Gedanken- und Gefühlskategorien einzuschmuggeln; man will sein Vermächtnis für die eigenen Zwecke missbrauchen. Deshalb wird alles das verschwiegen oder uminterpretiert, was allein das Stauffenberg-Vermächtnis ausmacht: sein leidenschaftlicher patriotischer Kampf für das ganze deutsche Volk, für die Einheit und Unabhängigkeit Deutschlands.“ [1]

Wir hingegen, wir wollen dem Erbe Stauffenbergs in genau diesem Sinne gerecht werden, indem wir den von ihm exemplarisch gelebten deutschen Widerstand, seine Liebe zur Heimat und seine Opferbereitschaft in der unsrigen Zeit der Not aufrecht erhalten.

Stauffenbergs kämpferische Verbundenheit zu Deutschland war ihm gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt: Sein Urgroßvater, der preußische Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau, tat sich durch seine Leistungen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon hervor und trug als Stabschef von Gebhard Leberecht von Blücher maßgeblich zum Sieg bei Waterloo bei. In der aristokratischen Umgebung seines Elternhauses genoss Stauffenberg eine erstklassige humanistische Erziehung, die ihn eng mit den Wurzeln des Abendlandes verband: Nicht nur die deutsche Literatur und Philosophie begeisterten ihn, auch fühlte er sich stark mit der Antike, u.a. in der Person des römischen Philosophenkaisers Mark Aurel verbunden. Unterrichtet wurde er dabei großenteils von ehemaligen Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges, die im jungen Stauffenberg früh das Bewusstsein für die Unverhältnismäßigkeit und die Ungerechtigkeit des Versailler Vertrages weckten.

Venohr schreibt über die Folgen dieser Sozialisierung:„So war es nicht zuletzt auch der Patriotismus, die Sehnsucht und das Suchen nach einem besseren, neuen Reich der Deutschen, die Claus Stauffenberg in die Reihen der Bündischen Jugend, die ihn zu den <Neupfadfindern> führten.“ [2] Bald darauf wurde Stauffenberg über seine Brüder in den George-Kreis aufgenommen. Der mythische, elitäre aber vor allem patriotische Zirkel um den Dichter Stefan George prägte den zukünftigen Fahnenjunker stark. Der tiefe Einfluss, den dieses Geheime Deutschland auf Stauffenberg hatte, sollte ihn bis zu seinem Tod am 21. Juli 1944 antreiben. Die Autoren der Konservativen Revolution, wie Ernst Jünger und Oswald Spengler, die auch wir heute als Identitäre zu unserem literarischen und philosophischen Kanon zählen, beeinflussten Stauffenberg ebenfalls nachhaltig.

Stauffenbergs Lieblingslied des patriotischen Dichters Georg Herwegh aus dieser Zeit:

Diese Einflüsse sollten ihn nach seiner vorbildlichen und steilen militärischen Karriere zu einem Zeitpunkt in der deutschen Geschichte, der auswegloser kaum sein konnte, mit dutzenden anderen widerständigen Militärs und Funktionären zusammenbringen, gegenüber denen er sich vor allem durch seine Entschlossenheit und seine geistige Schärfe auszeichnete.

Was sich im Nachgang dessen ereignete ist hinlänglich bekannt. Auch soll der Anspruch dieses Aufsatzes kein historischer sein, der sich darin erschöpft, eine Wiedergabe von allseits verfügbaren Daten zu offerieren, sondern es soll vornehmlich darum gehen, einige Anregungen zu setzen. Anregungen, die man entweder annimmt oder verwirft; nur, dass man für beides besser gute Gründe anzuführen weiß. Für ausgiebige Schilderungen der Beweggründe und detaillierte Abläufe des Widerstands um Stauffenberg konsultiere der geneigte Leser das eingangs erwähnte Werk Wolfgang Venohrs.

Einen weiteren Bürgen für unsere Sicht auf den widerständigen Patrioten will ich an dieser Stelle dennoch anführen. Götz Kubitschek schreibt in seiner Provokation über Stauffenberg:

„Natürlich gibt es Zeiten, in denen die kleine Ordnung, um die es nun ständig ging, nicht viel wiegt, weil die große Ordnung so ganz und gar offensichtlich aus den Fugen ist. Dann ist die Zeit reif für die Provokation, den gezielten Regelverstoß, den Tabubruch, für den Kampf gegen untragbar gewordene Institutionen. Die Aufstörung, Verstörung, Zerstörung ist dann Ausdruck des Bewusstseins für eine Ordnung, die nicht verletzt bleiben darf, ist Ausdruck für das Wissen darum, daß da ein Maß voll, daß da eine Balance verloren ist und daß nun die ganze Persönlichkeit zum Einsatz gebracht und in die Waagschale geworfen werden muß.

Stauffenbergs Tat etwa, sein Anschlag auf Hitler, war in diesem Sinne eine angemessene Tat und ist bis heute Ausdruck eines untrüglichen Sinns für das rechte Maß, und die langen Gespräche, die der Attentäter im Kreis seiner Gefährten über die Legitimation des Tyrannenmords führte, vermehren das Gewicht seiner Tat noch: Er hat es sich nicht leicht gemacht, weil er wußte, daß der gewaltsame Umsturz immer die ultima ratio würde bleiben müssen und daß der Verrat an der Institution des Staatsoberhaupts nur dann angemessen ist, wenn dieser selbst schon maßlosen Verrat am eigenen Volk geübt hat.“ (Hervorhebungen im Original) [3]

Jede erfolgreiche Bewegung braucht Helden

Menschen lernen am besten, wenn sie ein Vorbild, ein Modell haben, an dem sie sich orientieren können, das ihnen zeigt, wie man mit den Herausforderungen des Lebens umgeht. Die Weitergabe von Kultur basiert ganz wesentlich auf genau dieser menschlichen Eigenschaft. Die Kultur, die wir als Identitäre Bewegung etablieren wollen, ist die eines widerständigen Geistes und dem Willen zur Aktion. Doch wo ist er, unser Held?

Der Aktivismus ist ein entscheidender Teil unseres politischen Konzepts und kaum eine historische Figur auf der richtigen Seite der jüngeren deutschen Geschichte eignet sich diesbezüglich besser zur Inspiration, als Stauffenberg: Trotz seines jungen Alters entschloss er sich, das zu tun, was für ihn der einzige Ausweg aus der katastrophalen Situation Deutschlands war und sich aktiv gegen den zu seiner Zeit mächtigsten Mann der Welt zu stellen. Wer eignet sich daher besser für uns als Leitfigur, als er, der seine Überzeugungen zum Wohle seines Volkes in die Tat umzusetzen bereit war und diese Bereitschaft mit seinem Leben bezahlen sollte?

Stauffenberg war ein Märtyrer des Geheimen Deutschland, dieses Erzählfadens eines besseren, eines gerechteren – des richtigen Deutschlands. Er wandte sich unter großem inneren Zweifel von seiner einstmaligen politischen Hoffnung der Weimarer Krisenzeit ab, als sie sich für ihn und unser Volk in einen Albtraum wandelte und büßte dafür alles ein, was ihm lieb und teuer war: seine Ehefrau, seine Kindern, seine Brüder, seine soziale und militärische Verantwortung und nicht zuletzt, sein Leben.

Weitestgehend von rückgratlosen Schleichern umgeben, begab er sich in den inneren Untergrund, auf seinen Waldgang. Dies zu würdigen und diesem Mut zu gedenken, nicht in liberalistischer oder pseudo-antifaschistischer Diktion, sondern in der konservativen, neurechten und afaschistischen Überzeugung, dass die Flamme dieses Deutschlands mit seiner würdevollen und soldatischen Tradition, das den Kämpfer Stauffenberg hervorgebracht hat, noch lebt und weiterleben wird, ist unsere Aufgabe.

„Wir sind nun nicht in der Situation Stauffenbergs“, schreibt Kubitschek, „aber wir sind in einer zugleich schwierigeren und perfideren Situation. Schwierig ist sie, weil die Zerstörung der Substanz unseres Volkes und unserer Nation schleichend, scheibchenweise abläuft, und wir ein waches Auge und ein gutes Gedächtnis brauchen, um die einzelnen Schrittchen der Zerstörung zu summieren. Perfide ist sie, weil sie diejenigen, die in den Strukturen der Gesellschaft etwas werden möchten, zwingt, in Kulissen zu leben und jene stillen Regelwerke zu akzeptieren […].“ [4]

Wie not tut es da, in die Vergangenheit schauen und mit Stolz sagen zu können: „Da! Das ist einer von uns.“? Neben Stauffenberg gibt es in der Reihe unserer geistigen und politischen Vorfahren selbstredend noch andere, die ein nicht minderes Aufschauen verdienen – aber im Gegensatz zu Stauffenberg waren sie nicht dazu herausgefordert, in einem der schicksalhaftesten Momente unserer Geschichte in ihrem Mittelpunkt agieren zu müssen – und sie erhalten, wiederum im Gegensatz zu Stauffenberg, in aller Regel auch die Anerkennung die ihnen gebührt.

Stauffenbergs Vision jedoch für ein Deutschland nach Hitler ist nach Kriegsende ebenso wenig beachtet worden, wie die eigentlichen Beweggründe seiner Tat. Daher soll hier nach einer kurzen Vorbemerkung der Schwur des 20. Juli, der Schwur der Männer, die ihr Leben im Glauben an eine bessere Zukunft für unser Land und im Kampf gegen einen untragbaren Tyrannen gaben, in voller Länge Erwähnung finden, um noch die letzten inneren Widerstände gegen die Würdigung dieses unseren Erbes, zu zertrümmern, die so mancher vielleicht noch in sich trägt. Karlheinz Weißmann schrieb 2007 in der Jungen Freiheit über den Hintergrund dieses Schwurs:

„Der „Eid“ der Verschwörer des 20. Juli gehört zu den eindrucksvollsten, aber auch zu den am wenigsten bekannten Dokumenten der deutschen Geistesgeschichte. Das liegt einerseits daran, daß er keine praktische Wirksamkeit erlangte, andererseits an planvollem Verschweigen, denn die in dem Text zum Ausdruck kommenden Vorstellungen erscheinen den Späteren problematisch, bestenfalls mißverständlich. Sie gehen im Kern auf Stauffenberg selbst zurück […]. Den Text des Eides hat Stauffenberg dann noch einmal geprüft, mit Korrekturen versehen und für gut befunden. Dabei ging es ihm weniger um die praktische Bindung der Verschwörer, eher um ein Bekenntnis, das dazu dienen sollte, das Ethos der Täter auszudrücken, für den – wahrscheinlichen – Fall ihres Scheiterns.“ [5]

Nun also der Text im erhalten gebliebenen Wortlaut:

„Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.

Wir wissen im Deutschen die Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.

Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.

Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.

Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.

Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsend, verbunden den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.

Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tat der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.

Wir geloben:
untadelig zu leben –
gewissenhaft zu dienen –
unverbrüchlich zu schweigen –
und füreinander einzustehen.“ [6]

Glaubwürdiger kann man sich nicht als identitärer Vordenker hervortun, als die Wahrung und Verteidigung des Eigenen und die Achtung des Anderen, die demokratische Legitimation der Regierung durch das Volk sowie das immerwährende Streben nach dem Höchsten als Grundprinzipien einer anzustrebenden Ordnung für die Deutschen herauszustellen. Glaubwürdiger können auch wir uns nicht mit diesem Geist verbinden, als diese Vision in der heutigen Zeit am Leben zu erhalten und den Angriffen und Anfeindungen zu trotzen, die uns dabei entgegenschlagen.

Doch gerade der Aufforderungscharakter des Eides der Verschwörer, der mit einem ebenso soldatisch, wie mönchischem Schwur endet, sei uns dabei bewusst. Weißman dazu:

„Es bleibt damit noch etwas über den Schluß des Eides zu sagen. Hier tritt der Schwur-Charakter am deutlichsten zu Tage, mehr noch, die Intention, den Kern des Widerstandes eng zusammenzufassen und zu einer besonderen Gemeinschaft zu machen, die auch dann bestehen sollte, wenn das Attentat nicht durchzuführen war oder mißlang. Fritz-Dietlof von der Schulenburg, einer der Beteiligten, äußerte kurz vor dem Attentat: „Wenn es nicht mehr gelingt, zur Tat zu kommen, so müsse man sich einen Eid geben und zu einem ‚Orden‘ zusammenschließen, um nach dem Zusammenbruch Deutschlands in der dann von allen Seiten einbrechenden Fremdherrschaft ohne äußeres Band eine Gruppe von Männern zusammenzuhalten, die voneinander weiß und unverrückbar am Vaterland festhält.“ […] Nach einer Bemerkung Eberhard Zellers, der zum Umkreis der Verschwörer gehörte, war der Eid das „Testament“ Stauffenbergs. Als er starb, trug er einen Ring mit den gravierten Worten „Finis initium“, nach Georges Gedicht aus dem „Stern des Bundes“, das mit den Worten schließt: „Ich bin ein end und ein beginn“.[7]

Es ist Zeit an der Zeit, Stauffenberg endlich den Platz zu geben, den er verdient: An der Speerspitze unserer Bewegung.

Es lebe das heilige Deutschland!

 

 

 

[1] Wolfgang Venohr, Stauffenberg – Eine politische Biographie, S. 15
[2] ebd., S. 35
[3] Götz Kubitschek, Provokation, S. 46
[4] ebd., S. 47
[5] https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2007/wir-glauben-an-die-zukunft-der-deutschen/
[6] http://www.stauffenberg1944.de/schwur.html
[7] https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2007/wir-glauben-an-die-zukunft-der-deutschen/