^84B1CB4164AE9D9F7C6C97FFCC3F10C9F400C015D19D25058C^pimgpsh_thumbnail_win_distrIm konservativ/rechten Spektrum vernimmt man vielfach Aufrufe, Theorietexte und Beiträge, die eine sogenannte Querfront in einer Verbindungslinie von rechten und linken Positionen beschwören wollen. Das Ganze lebt von der vermeintlichen Erkenntnis, dass angesichts der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse die politischen Koordinaten zwischen links und rechts obsolet geworden sind. Es ist sicherlich nicht abzustreiten, dass diese Begrifflichkeiten auch eine entsprechende moralische Konnotation erhalten und die Funktion einer objektiven politischen Zuschreibung nur noch wenig ausgefüllt wird.

Eine Selbstbezeichnung als „links“ dürfte für die gesellschaftliche Reputation weniger Schwierigkeiten bereiten, als sich offensiv als „Rechter“ zu bekennen. Der Rechte wird gerne als das personifizierte, diabolische Monster dargestellt, welches meist als Antithese zur Legitimierung des eigenen Herrschaftsanspruches benutzt wird.

Unter Rechts werden dann ganz schnell Assoziationsketten konstruiert, die unweigerlich bis nach Auschwitz führen sollen. Aus dieser Situation heraus kann man in der heutigen „Rechten“ eine Tendenz wahrnehmen, die versucht dem politischen Hindernislauf aus dem Weg zu gehen um sich als eine „gesunde Mitte“ darzustellen, die sich ganz progressiv von allen bisherigen konventionellen Positionsbestimmungen emanzipiert hat.

Aus dem politischen Ohnmachtsempfinden heraus sucht man nach Alternativen, wie man dem Kreuzfeuer der Stigmatisierung als „Rechter“ entkommen könnte. Durch eine neue Etikettierung der politischen Positionsbestimmung fällt man der Illusion anheim, dass man vom gesellschaftlichen Mainstream als legitimer Akteur im gesellschaftlichen Diskurs auftreten könne.

Interessant ist dabei, dass diese Bestrebungen möglichst viele Überschneidungen zu linken Positionen zu finden, ausschließlich von der deutschen Rechten zu beobachten sind. Es mag wohl kaum ernsthafte Linke geben, die hier jemals politische Verbindungslinien herstellen würden. Auch dann nicht wenn die inhaltliche Übereinstimmung in einigen politischen Fragen evident ist.

In Frankreich hat sich unter dem Intellektuellen Alain de Benoist Anfang der 80er Jahre der Begriff Nouvelle Droite zu Deutsch „Neue Rechte“ in der politischen Debatte zwischen links und rechts schrittweise etabliert. Wie aus der Biographie von Benoist zu entnehmen[1] ist dieser heute kein Freund mehr dieser Selbstzuschreibung und auch vom Selbstverständnis her, hat sich Benoist nie als dezidiert „Rechter“ oder „Linker“ verstanden. Allerdings wurde über den Begriff der „Neuen Rechten“ die Beschreibung eines Milieus vorgenommen welches sich im Wesenskern von den konventionellen und orthodoxen Strömungen der Rechten stark unterschieden hatte. Neben dem intellektuellen Charakter war hier insbesondere die Distanz zu den rein vergangenheitsbezogenen Themen der „alten Rechten“ einschlägig. Über diese Distanzierung von totalitären Staatsentwürfen konnte auch erstmals eine ungezwungene Debatte im rechten Spektrum entstehen, die sich mit einer fundamentalen Ideologiekritik des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte.

Während sich die Alte Rechte lediglich als billige Kopie und Karikatur untergegangener Staatssysteme verstand, konnte über die „Neue Rechte“ erstmals eine Begrifflichkeit auch mit zeitgemäßen Inhalt gefüllt werden. Offensiv arbeitete man nun mit dem Begriff „rechts“ und nahm die Zuschreibung des politischen Gegners an. Dies ist wahrscheinlich auch eine strategische Stoßrichtung mit der die deutsche Rechte realistischer arbeiten kann, als sich lediglich einen eigenen Mikrokosmos aus Alternativbegriffen zu schaffen. Der primäre Kampf der Metapolitik liegt nämlich nicht darin den etablierten Begriffen auszuweichen und neue zu erfinden. Vielmehr ist es vonnöten, mit den Begriffen die uns in der politischen Agitation zur Verfügung stehen zu arbeiten und sie mit Leben zu füllen. Für die Popularisierung eigener Begrifflichkeiten fehlen der Rechten die personellen, finanziellen und vor allem kommunikativen Ressourcen.

Die Positionsbestimmung als „Neue Rechte“ ist demnach durchaus sinnvoll und wird auch dem Charakter des „Politischen“ gerecht, den Carl Schmitt als Freund-Feind Schema und die Politologin Chantal Mouffe in modifizierter Form, als das Aufeinanderprallen der Antagonismen bezeichnete. Der Raum des Politischen artikuliert sich immer als ein gegensätzliches Verhältnis. Die widerstreitenden Gegensätze in diesem Raum befinden sich in einem stetigen Ringen um die diskursive Deutungshoheit, ganz unabhängig von institutionellen Machtverhältnissen. Die Perversion der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse besteht jedoch darin, dass diese Antagonismen nicht mehr als legitime Repräsentationskräfte gesellschaftlicher Schichten angesehen werden. Vielmehr nutzt man sie, wie eingangs erwähnt, als Kampfbegriffe und damit als stabilisierendes Machtinstrument. In diesem Zustand tritt eine zunehmende Entpolitisierung und Entdemokratisierung ein, die eher totalitäre Charakterzüge aufweist.

Vollkommen falsch wäre es jedoch diesen Zustand anzuerkennen, denn sowie die Etikettierung als „Rechts“ einmal vom herrschenden Mainstream vorgenommen wurde gibt es daraus kein Entkommen. Dadurch wird ein Prozess in Gang gesetzt der dem politischen Gegner nur unnötig Angriffsfläche verschafft um initiativ den Raum der politischen Deutungshoheit zu erweitern. In diesem Kampf um die Deutungshoheit könnte man auch ein beliebtes Sprichwort nach „Angriff ist die beste Verteidigung bedienen“. Warum sollten wir als defensiv mit der Selbstzuschreibung „Rechts“ umgehen? Was haben wir zu verlieren? Das Rechte vermittelt die eigentliche Trennschärfe zum herrschenden Zeitgeist und den politischen Widrigkeiten die bereits mehrfach durch dieses Milieu aufgegriffen wurden.

Eine prinzipielle Haltung sich als nonkonforme und oppositionelle Kraft zu verstehen, richtet sich nicht einzig und allein nach Mehrheitsverhältnissen. In ihrer aktuellen Ohnmachtsstellung darf sich die deutsche Rechte nicht der Illusion hingeben, dass sie durch eine Annährung an linke Positionen und Kompatibilitätsverbindungen mit den eigenen Inhalten eine stärkere Akzeptanz erfahren wird. Dieser Zug endet im schlimmsten Falle an einer Haltestelle wo nur noch ausschließlich die Beschäftigung mit sich selbst steht, ohne das eigene politische und weltanschauliche Repertoire aufzurüsten, welches durch zahlreiche zeitgenössische neurechte Intellektuelle wie Götz Kubitschek, Karl Heinz Weißmann, Alain de Benoist, Martin Lichtmesz mit einem stabilen Unterbau ausgestattet wurde. Rechts sein ist nämlich mehr als nur eine Zuschreibung im politischen Koordinatensystem. Es vermittelt auch ein Menschenbild und inhaltliche Positionen, die durchaus mit ausreichend intellektueller Munition ausgestattet sind und mit Leben gefüllt werden müssen.

 

[1] http://antaios.de/buecher-anderer-verlage/edition-junge-freiheit/3640/mein-leben.-wege-eines-denkens